EU-Parlament verabschiedet neue Transparenzregeln – was bedeutet das für Amazon, eBay und Co.?

0 114

Bereits seit einiger Zeit stand ein neues Reformpaket für mehr Transparenz und zum Schutze der Verbraucher im EU-Parlament zur Debatte, und wurde schließlich am 17.04.2019 durchgewunken. Die neuen Regelungen sollen europaweit für mehr Transparenz sorgen und so den Onlinehandel aus Verbrauchersicht durchsichtiger und möglichst risikofrei gestalten.

Dabei stehen besonders Vergleichsplattformen und Marktplätze wie Idealo, Amazon oder eBay im Fokus. Denn bisher sorgten diese mit unklaren Auswahlverfahren für Top-Suchergebnisse und fehlenden Angaben zu den tatsächlichen Händlern und Vertragspartnern bei etlichen Nutzern für Verwirrung. Durch die neuen Regelungen sollen Unternehmen wie Amazon nun unter Androhung von Sanktionen gezwungen werden offener mit diesen Themen umzugehen.

Mehr Klarheit über Vertragspartner

Auf Verkaufsplattformen wie Amazon oder ebay ist für den Kunden meist nicht mehr ersichtlich, von wem er eigentlich einkauft. Das ist nicht nur für den Kunden, sondern auch für die einzelnen Händler ein Problem. Wenn der Kunde gar nicht weiß von wem er eigentlich kauft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder bei dem gleichen Händler, oder gar in dessen eigenem Shop einkauft entsprechend gering. Besonders problematisch wird es aber vor allem bei Vertragsverstößen seitens der Händler, also beispielsweise wenn die Ware nie beim Kunden ankommt: Denn vielen Kunden ist nicht bewusst, dass in diesem Falle nicht die Verkaufsplattform, sondern der Händler selbst zuständig sind.

Die neue Regelung soll diese Problematik eindämmen, indem sie Plattformen dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass für die Kunden klar ersichtlich ist mit wem sie letztendlich den Kaufvertrag eingehen. Zusätzlich sollen die Kunden darüber in Kenntnis gesetzt werden, ob sie von einem Händler oder einer Privatperson kaufen.

Die Marktplätze sollen außerdem angeben, wie sie die Echtheit von Produktrezensionen sicherstellen wollen. In letzter Zeit hatten Amazon & Co. nämlich zunehmend mit gefälschten, und somit wettbewerbswidrigen Bewertungen zu kämpfen. Auch dagegen soll im Rahmen der neuen Regelung vorgegangen werden.

Weniger Verwirrung durch Offenlegung der Rankingfaktoren

Des Weiteren befasst sich die Regelung mit dem Ranking von Suchergebnissen auf Marktplätzen und Vergleichsportalen: oft ist für den Kunden nicht ersichtlich, warum die besten Suchergebnisse diese Platzierung erhalten. Durch die neuen Regeln hat die EU nun festgelegt, dass Plattformen und Portale in Zukunft klar ersichtlich machen müssen, wie die Platzierungen zustande kommen, und ob Algorithmen für personalisierten Ergebnisse oder Preise angewendet werden.

Außerdem sollen Werbeanzeigen durch deutlichere Kennzeichnungen ganz klar von unbeeinflussten Suchergebnissen zu unterscheiden sein. Um sicherzustellen, dass bestimmte Ergebnisse nicht höher gelistet werden, weil dafür bezahlt wurde, wurden dies nun als klar wettbewerbswidrig auf die schwarze Liste unlauterer Geschäftspraktiken gesetzt.

Identische Vermarktung verschiedener Produkte

Ursprünglich sollte die Regelung auch ein Verbot gegen die Vermarktung von scheinidentischen Produkten beinhalten. So sollte der Verkauf von qualitativ minderwertigen Fälschungen unter Originalnamen auf Plattformen wie eBay und Amazon bekämpft werden. Der Beschluss scheiterte letztendlich aber.

Welche Sanktionen drohen den Unternehmen?

Nachdem sie am 17.04.2019 im EU-Parlament beschlossen wurden, müssen die neuen Transparenzregeln nun noch vom Staat der EU-Staaten abgesegnet und anschließend innerhalb von 2 Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. Ab dann drohen Unternehmen, die sich nicht an die festgelegten Regeln halten, auch saftige Sanktionen: Regelverstöße werden mit einer Geldbuße in höhe von 4% des Jahresumsatzes im vergangenen Geschäftsjahr bzw. maximal 10 Millionen Euro – je nachdem ob die besagten 4% diese Grenze überschreiten würden – bestraft.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.