Jimdo Testbericht: hält das Baukasten-System was es verspricht?

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Jimdo
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Jimdo überzeugt vor allem in den Bereichen Usability und Design. Die größten Mängel liegen hingegen im Herzen der Software, dem Verwaltungsbackend, hier verfügt Jimdo nur über grundlegendste Features, insgesamt mangelt es am Funktionsumfang. Zusammenfassend ist das System daher tatsächlich nur für Einsteiger und kleine Shops geeignet.

  • Installation & Einrichtung
  • Kosten
  • Sicherheit
  • Marketing-Funktionen

Das Shopsystem Jimdo basiert auf dem gleichnamigen Website-Builder und wirbt damit für jeden Nutzer geeignet, und kinderleicht zu bedienen zu sein. Wie sich das System tatsächlich in der Praxis schlägt, überprüfen wir in dem folgenden Testbericht.

Für wen ist Jimdo geeignet?

Jimdo richtet sich besonders an Anfänger und Nutzer, die Ihren ersten bzw. lediglich einen kleinen Shop erstellen möchten. Deren Ansprüchen wird das System mit seiner nutzerfreundlichen Verwaltungsbackend und den zahlreichen Hilfestellungen auch gerecht, für mittelständische bzw. große Unternehmen kommt das System aufgrund des doch sehr stark eingeschränkten Funktionsumfangs leider nicht in Frage.

Wie läuft die Einrichtung ab?

Nach der Registrierung und der Buchung des gewünschten Tarifes erhältst du eine Bestätigungs-E-Mail, die bereits ein paar Erste Schritte angibt. Während der Einrichtung unterstützt dich das Backend mit Erfolgsmeldungen und Webinaren, und verweist bei komplizierteren Vorgängen auf das Support-center. Die Einrichtung ist allgemein extrem einfach und findet per Drag-and-Drop-System, wie man es von Website-Baukästen kennt, statt. Bei der Einrichtung zeigt sich aber auch ein großer Mangel: Optionen für den CSV-Import von Shopdateien oder Tools für den Umzug von bestehenden Shops wirst du bei Jimdo vergebens suchen, es gibt keine Möglichkeit einen bestehenden Shop oder dessen Inhalte in das Jimdo System umzuziehen.

Ist eine Agentur für die Einrichtung vonnöten?

Jimdo ist nicht nur sehr einsteigerfreundlich gestaltet, sondern gar speziell auf die Bedürfnisse von Anfängern Erstnutzern zugeschnitten. Ein Jimdo Shop kann also problemlos ohne Unterstützung durch eine Agentur eingerichtet und verwaltet werden.

Kosten & Gebühren

Gibt es eine Testversion?

Jimdo bietet ein 7-Tage-Trial an, mit dem du 7 Tage lang den vollen Funktionsumfang der Software völlig unverbindlich testen kannst. Nach Ablauf der Frist wandelt sich der Trial in Jimdos kostenlose Version um, alle Dateien bleiben aber erhalten. Anschließend kannst du entweder mit der kostenlosen Version fortfahren, oder einen der kostenpflichtigen Tarife buchen.

Welche Tarife werden angeboten?

Neben dem kostenlosen JimdoFree-Tarif bietet Jimdo 3 kostenpflichtige Tarife an, die alle sehr preiswert, und deutlich günstiger als die Konkurrenz sind. Der höchste Tarif, der JimdoBusiness-Tarif, befindet sich mit einem Preis von 15€ monatlich auf dem gleichen Preisniveau wie die Einsteigertarife der meisten Anbieter! Bei allen Tarifen liegt die Mindestlaufzeit bei einem Jahr, optional kannst du sie auf 2 Jahre verlängern und zahlst im Gegenzug monatlich noch weniger. Nach der Buchung kannst du außerdem jederzeit den Tarif wechseln.

Werden zusätzliche Gebühren erhoben?

Bei Jimdo fallen keinerlei zusätzliche Gebühren oder Kosten für Bandbreite, Einrichtung o.ä. an. Den gewählten Tarif kannst du ganz bequem und frei von Gebühren über Lastschrift, PayPal oder Kreditkarte bezahlen, sofern dein Kreditkartenanbieter keine Gebühren erhebt.

Funktionen

Was hat das Verwaltungsbackend zu bieten?

Das Verwaltungsbackend von Jimdo versorgt dich mit vielen rechtssicheren Textvorlagen für unterschiedliche Bereiche deines Shops, und erleichtert dir so das Erstellen des Shops. Darüber hinaus weiß auch das Drag-and-Drop-System zum Erstellen und Bearbeiten von Seiten, auf dem die Software basiert, zu begeistern. Bei den Verwaltungsfunktionen hingegen ist das System weniger gut aufgestellt. So ist es nicht möglich neben der Verwaltung von über den Shop getätigten Bestellungen auch manuelle Aufträge zu erstellen, Benachrichtigungen zu Bestellungen erhältst du gar nicht. Andere Funktionen fehlen komplett, darunter ein Risiko-Analyse-System, eine Cart-Recovery-Funktion oder das Exportieren von Bestellungsdaten per CSV. Sogar Kundenkonten fehlen, sie lassen sich weder manuell anlegen noch werden sie automatisch erstellt. Auch der Checkout lässt zu wünschen übrig: er kann erst beim JimdoBusiness-Tarif angepasst werden und ein einseitiger Checkout ist überhaupt nicht vorgesehen.

Bei der Produktverwaltung sieht es schon etwas besser aus, wenigstens Produktdaten können als CSV-Datei exportiert werden. Zudem ist ein rudimentäres Warenverwaltungssystem vorhanden, mit dem Bestände automatisch runtergezählt, und Produkte mit einem „nicht verfügbar“-Status versehen werden können. Ein Point-of-Sale-System ist aber nicht vorhanden, falls du auch im Laden verkaufst musst du die Bestände also manuell aktualisieren. Ein Analyse-Tool fehlt ebenfalls, hier verschafft Google Analytics Abhilfe. Insgesamt ist der Funktionsumfang im Verwaltungsbackend sehr eingeschränkt und stellt folglich eine der größten Schwächen von Jimdo dar.

Welche Tools zur Produktpräsentation sind vorhanden?

Produkte können klassisch mit einer Beschreibung und Produktfotos versehen werden, verfügen bei Jimdo aber leider nicht über eine eigene Produktseite. Produktvarianten sind zwar möglich, müssen aber manuell erstellt werden. Des Weiteren können Produkten zusätzliche Informationen wie Lieferzeit, Versandkostenfreiheit, Mehrwertsteuer, etc. angefügt werden. Um die Produktsuche zu erleichtern kannst du außerdem Tags hinzufügen, die Suchfunktion selbst ist jedoch nicht von Haus aus gegeben und muss per Google CSE nachgerüstet werden.
Der Verkauf von digitalen oder personalisierbaren Produkten ist nicht vorgesehen, erstere können jedoch zumindest über Umwege angeboten werden.

Marketing-Features

Bei den kostenpflichtigen Tarifen bietet Jimdo die wichtigsten SEO-Funktionen, bei der JimdoFree sind hingegen keinerlei SEO-Optionen vorhanden. Die SEO-Features sind zu finden unter der ungewöhnlichen Bezeichnung „Google & Co“ und umfassen das Festlegen von Title-Tags und Metadescriptions, das Überprüfen der Indizierung und beim JimdoBusiness-Tarif auch Robot Meta-Tags, die Anpassung von URL-Namen und die Buchung von rankingCoach. SEO-Optimierungen für einzelne Produkte sind nicht möglich da Produkte bei Jimdo keine eigenen Seiten besitzen.
Grundlegende Marketing-Features wie Gutscheincodes für prozentuale oder absolute Rabatte, Social-Media-Buttons oder ein Blog sind vorhanden, einige wichtige Funktionen, darunter das Anzeigen von verwandten oder kürzlich angesehenen Produkten, Produktempfehlungen und Product-Bundling fehlen hingegen auch hier. Insgesamt beschränkt Jimdo sich im Bereich Marketing also auf die grundlegendsten Funktionen.

Werden mehrsprachige Shops unterstützt?

Die Standardsprache für einen Jimdo Shop kann aus insgesamt 8 Sprachen gewählt werden (Deutsch, Englisch, Chinesisch, Spanisch, Russisch, Italienisch, Holländisch, Französisch). Darüber hinaus unterstützt die Software theoretisch Mehrsprachige Shops, dabei sind aber nur 2 Sprachen gleichzeitig möglich, und automatische Prozesse wie der Checkout werden immer in der Standardsprache angezeigt.

Welche Erweiterungen sind erhältlich?

Jimdo ist weder modular aufgebaut, noch gibt es eine nennenswerte Zahl an Erweiterungen. Ein App-Store ist zwar vorhanden, dieser umfasst jedoch lediglich 3 Apps, welche keine der wichtigen fehlenden Funktionen ersetzen. Auch sonst gibt es keinerlei Möglichkeiten den Funktionsumfang des Systems auszubauen. Des Weiteren unterstützt Jimdo zwar unterschiedliche Währungen, für jeden Shop kann jedoch nur eine Währung festgelegt werden.

Über welche Schnittstellen verfügt Jimdo?

Jimdo bietet über den Vertragspartner Shipcloud Schnittstellen zu den wichtigsten Versandtdiensten, darunter DHL und Hermes. Der Bezahldienst PayPal wird ebenfalls unterstützt. Darüber hinaus verfügt das Shopsystem über Schnittstellen zu externen Newsletter-Anbietern wie Mailchimp oder CleverReach. Eine große Schwäche der Software liegt im Multichannel-Verkauf, dieser wird schlicht nicht unterstützt. Es existieren weder Schnittstellen zu Marketplaces wie Amazon Marketplace oder Ebay, noch ist der Verkauf über Facebook oder andere Social-media-Plattformen vorgesehen.

Hosting

Das Hosting wird von Jimdo selbst übernommen und findet auf den Servern des Anbieters statt. Diese sind mit einer durchschnittlichen Uptime von 99,5% sehr zuverlässig. Die Bandbreite ist Tarif-unabhängig unbegrenzt, ebenso in allen Tarifen enthalten ist eine kostenlose Domain. Nur bei dem JimdoFree-Tarif gibt es hier einen kleinen Haken, bei diesem Tarif sind nur Subdomains mit der Endung „. Jimdo.com“ erhältlich.

Sicherheit

Wie gut sind die Server geschützt?

Die Jimdo Server werden regelmäßig per Backup gesichert, und sind bestens gegen Eindringlinge und Schadsoftware geschützt. Dass bei Jimdo viel wert auf Datenschutz gelegt wird, beweist auch das Trusted-Shops Gütesiegel. Dieses kannst du übrigens auch auf deinem Shop anzeigen lassen.

Ist der Checkout ausreichend verschlüsselt?

Der Checkout findet bei jedem Jimdo-Shop auf einer externen SSL-verschlüsselten Domain statt, die Sicherheit der Kundendaten ist somit garantiert. Leider kann bei Jimdo im Gegensatz zu vielen anderen Shopsystemen kein SSL-Zertifikat für die eigene Domain erworben werden, die Weiterleitung auf eine externe Domain lässt sich also nicht vermeiden.

Ist Jimdo DSGVO konform?

Da Jimdo von einem deutschen Anbieter stammt ist das System selbstverständlich bestens an die Auflagen des deutschen Marktes angepasst. Darüber hinaus bietet das System rechtssichere Emailvorlagen und Textvorlagen für bestimmte Shopteile an.

Design und Aufbau

Wie ist das Backend aufgebaut?

Beim Backend von Jimdo steht ganz klar die Usability im Vordergrund. Dementsprechend lässt sich das übersichtliche, intuitive Backend komplett ohne Vorkenntnisse spielend leicht bedienen. Zusätzlich erleichtert wird die Shop-Erstellung durch rechtsichere Vorlagen für Unterseiten und die vielen Hinweise zu bestimmten Funktionen, welche unter anderem sicherstellen, dass alle Auflagen des deutschen Martes eingehalten werden.

Kann das Frontend überzeugen?

Im Gegensatz zu den Meisten Shopsystemen haben Produkte bei Jimdo keine eigene Produktseite, davon abgesehen ist aber alles wie gewohnt aufgebaut. Die Produkte selbst präsentieren sich mit Bildergalerien, zoombaren Fotos (Superzoom) und Produktbeschreibungen inklusive Tabellen. Ein Kundenkonto wird den Kunden leider nicht angeboten, sie müssen ihre Daten also bei jedem Einkauf erneut angeben.

Entsprechen Design & Layout den aktuellen Standards?

Dass Jimdo ursprünglich auf einem Website-Baukasten basiert, sieht man dem System auch an. Wie zu erwarten gehören Design und Layout deshalb zu Jimdos größten Stärken. Die Software verfügt über insgesamt 38 optisch ansprechende, hochwertige und moderne Templates, welche komplett kostenlos verfügbar sind. Jedes Theme verfügt zudem noch über weitere Design-Optionen. Das wechseln zwischen den Themes ist ohne Datenverlust möglich, und auch kleinere Änderungen können ohne Programmierkenntnisse vorgenommen werden, wer über die nötige Erfahrung mit HTML und CSS verfügt kann aber auch eigene Designs erstellen. Ein weiterer Vorteil liegt in der mobilen Optimierung aller Themes. Negativ anzumerken ist lediglich, dass die Layouts nicht branchenspezifisch gestaltet sind.

Zusammenfassung

Unseren Erfahrungen mit Jimdo nach ist das System zwar optisch sehr ansprechend und leicht zu bedienen, kann aber mit seinem geringen Funktionsumfang nicht überzeugen.

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